Brahms-Preis 2015

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Sein Leben teilt er mit dem Orchester

Dirigent Thomas Hengelbrock erhält den bundesweit beachteten Brahms-Preis

Thomas Hengelbrock und das NDR JugendsinfonieorchesterDie jungen Musiker des NDR-Jugendsinfonierochesters sitzen schon alle auf der Bühne. Plötzlich geht ein Raunen durch den großen Saal im Elbeforum. Es wird geklatscht. Erst etwas verhalten, dann immer lauter werdend. Die Hauptpersonen des Abends haben sich auf ihre Plätze in den vorderen Zuschauerreihen begeben: Dirigent Thomas Hengelbrock und Schauspieler Klaus Maria Brandauer. Der eine der Brahms-Preisträger 2015, der andere der Laudator.

„Für uns ist es eine große Ehre, dass einer der am meisten gefeierten und gefragten Schauspieler der Welt trotz seines sicherlich engen Terminkalenders zu uns gekommen ist“, sagt Joachim Nerger, Vorsitzender der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein. Mindestens genauso freue es ihn natürlich, dass der berühmte Dirigent Thomas Hengelbrock nach Dithmarschen gereist ist – in die Heimat Brahms – und dabei gleich ein ganzes Sinfonieorchester mitgebracht hat. Das Programm der jungen Musiker und ihres Dirigenten verspreche einen Hörgenuss. Nach der Preisverleihung wird Hengelbrock die Symphonie Nummer 8 von Antonin Dvorak dirigieren. In seiner kleinen Festansprache dankt Nerger insbesondere Verlegerin Inken Boyens: „Als Medienpartner bietet uns Boyens Medien unermessliche Hilfe, unsere Dinge nach außen zu kommunizieren.“

Die 1987 auf Initiative von Justus Frantz gegründete Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein verleiht einmal im Jahr den bundesweit beachteten Brahms-Preis. Mit dieser besonderen Auszeichnung werden renommierte Musiker geehrt, die sich um das Werk Johannes Brahms’ besonders verdient gemacht haben. Die Wahl ist diesmal auf Thomas Hengelbrock gefallen, dessen Aufführung von Brahms‘ Requiem große Bewunderung geerntet hat. Außerdem setze sich der international tätige Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters für den musikalischen Nachwuchs ein. Dies zeige sich vor allem in seiner Arbeit mit der Akademie und dem Jugendsinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks.

„Mit Ihren Auftritten auch hier in Schleswig-Holstein, mit Ihrem Schaffen am Dirigentenpult haben Sie immer deutlich gemacht, was Sie für die Musik von Brahms empfinden“, würdigt auch Kulturstaatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer das musikalische Wirken Hengelbrocks, bevor Klaus Maria Brandauer seine mit Spannung erwartete Laudatio beginntKlaus-Maria Brandauer, Thomas Hengelbrock und Ehefrau Johanna
Der große Schauspieler und der berühmte Dirigent. Erst im vergangenen Jahr hatten sie gemeinsam ein ganz besonderes Projekt mit dem NDR-Sinfonieorchester auf die Bühne gebracht – den „König der Nacht“. Ein abendfüllendes Musikdrama für Sprecher und Orchester. Brandauer, immer davon ausgegangen, völlig unmusikalisch zu sein, fungierte als Sprecher. Je mehr der große Mime aus Wien erzählt, umso deutlicher wird, dass Brandauer und Hengelbrock eine tiefe, künstlerische Freundschaft verbindet. „Du brennst – für die Dinge, die Du vorhast. In Dir lodert ein Feuer, das ist für jeden spürbar“, sagt Brandauer. Hengelbrock sei auf dem besten Wege eine Legende zu werden. „Du hast so viel Feuer, teile es mit uns. Merci Tom.“

Hengelbrock lässt sich nicht zweimal bitten: „Jetzt spielen wir noch ein bisschen“, sagt er zu den Musikern gewandt, kurz nachdem er die große Auszeichnung von Joachim Nerger entgegengenommen hat. „Mein Beruf ist ein Geschenk für mich. Kunst machen heißt für mich, mein Leben zu teilen.“ Mit dem Orchester. Die jungen Musiker des NDR-Jugendsinfonieorchesters danken es dem großen Dirigenten mit einer bravourösen Leistung.
(Text/Fotos: Michaela Reh/ DLZ 6. Mai 2015)

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