Briefe der Freundschaft

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Briefe der Freundschaft

Der Briefwechsel zwischen Klaus Groth und Johannes Brahms

Im Mittelpunk dieses spannenden Online-Projekts der Klaus-Groth-Gesellschaft und der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein steht die norddeutsche Künstlerfreundschaft zwischen dem Komponisten Johannes Brahms und dem niederdeutschen Dichter Klaus Groth. Die Brahms-Gesellschaft und Klaus-Groth-Gesellschaft werden wöchentlich in einem internierenden Rhythmus den Briefwechsel von Klaus Groth und Johannes Brahms online auf den Webseiten veröffentlichen. Schauen Sie also auch regelmäßig auf die Seite der Klaus-Groth-Gesellschaft.
Der gesamte Briefwechsel zwischen den beiden Künstlern mit zahlreichen Anmerkungen und sehr lesenswerten Erinnerungen von Klaus Groth an seinen Freund Johannes Brahms ist 1997 im Boyens Buchverlag unter dem Titel „Johannes Brahms – Klaus Groth. Briefe der Freundschaft“ erschienen. Das Buch liegt für interessierte Besucher im Brahms-Haus zur Ansicht aus und kann dort auch erworben werden. Mit besonders dankenswerter Unterstützung vom Boyens Buchverlag.

 

68. Groth an Brahms

Kiel, 27. Mai 1889

Lieber Freund!

Ich habe keinen so schönen Frühling erlebt als dies Jahr, und nirgends mag ein Frühling schöner sein als hier im Norden, wo Wald, Wiese, Äcker und Gärten, Vögel, Vieh und Menschen plötzlich miteinander aus dem Winterschlaf erwachen, alles grünt und blüht und das blaue Meer Licht und Luft abtönt und kühlt. Dazu dies Jahr Kaiserbesuch, Kriegsflotte, die einem das Bewußtsein weckten, einem großen Reiche anzugehören und eine[r] Heimat ohne sichtliche Armut.
Ich habe Dich oft herbeigewünscht. Du hättest bei mir so unabhängig hausen können wie in Thun, für mich wären noch immer schöne Stunden abgefallen. Zu meinem Geburtstage wünschte ich Dich nicht herbei, wir hätten in dem Trubel nichts voneinander gehabt, und Du hast auch wohl bei Dir selbst gedacht, daß die Bitte nicht von mir ausgegangen ist, sondern von meinen Freunden. Allerdings habe ich sie nicht verhindert.
Erwartet habe ich [Dich] den ganzen Herbst hindurch, da Du Deine Schützlinge in Pinneberg besuchen wolltest. Doch war es hier nicht schön, und ich war unbehaglich. Erkältung hielt mich leider recht ernstlich gefangen, als Du mit Bülow in Hamburg und Bremen konzertiertest. Du weißt, was ich dadurch entbehrt habe, aber ich habe im langen Leben entsagen gelernt.
Und große Freude habe ich an Deinen neuen Werken4 gehabt. Wenn ich Dir für Deine himmlischen Kompositionen zu meinen Liedern und ihre Zusendung meinen Dank, so lebhaft er ist, nicht noch wieder schriftlich ausgesprochen habe, so kommt es daher, daß ich die Lieder erst noch ordentlich wieder hören wollte, was nicht gleich möglich hier, und daß ich heimlich immer noch hoffte, ich könnte es einmal mündlich tun. Jetzt schließe ich nun zugleich meinen Dank an für Deine neue Klavier-Violin-Sonate op. 108,5 die ich (denke Dir) schon ein halb Dutzend mal recht gut gehört habe, einmal mit Frau Janssen, doch spielte Stange später sie noch besser.
Daß Du am 23.–24. Juni zum Sch[leswig]-H[olsteinischen] Musikfeste kommst, ist mir nicht wahrscheinlich, doch halte ich für alle Fälle Deine Dir bekannten Zimmer für Dich bis zur Entscheidung bereit.
Grüß Jenner!

Dein getreuer

Klaus Groth