Brahms-Preis 2016

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„Ein Musiker unter Musikern“

Christoph Eschenbach mit dem Brahmspreis 2016 ausgezeichnet

Normalerweise ist er dafür bekannt, jeden Rummel um seine Person mit fast schon spröder Gelassenheit zu begegnen. Am Donnerstagabend zeigte sich der Pianist und Dirigent Christoph Eschenbach in der St. Bartholomäuskirche tief gerührt und bewegt. In Anwesenheit von rund 450 Gästen sowie Vertretern aus Politik und Kultur nahm der 76jährige den mit 10.000 Euro dotierten Brahms-Preis 2016 der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein entgegen.

In einer sehr persönlichen Laudatio verriet der Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) Dr. Christian Kuhnt, dass auch ihn seit vierzig Jahren eine enge Beziehung mit dem Preisträger verbinde. Als Neunjähriger mit Hornbrille und braunem Polyester-Rollkragenpullover habe er Mozarts A-Dur-Klavierkonzert in der Interpretation von Christoph Eschenbach gelauscht. Dank dieser Aufnahme habe er schon früh eine ihm bis dahin unbekannte Dimension von Musik entdeckt: die Tiefe, die in allen Konzerten des Maestro erlebbar sei. “Nichts ist flüchtig, nichts schnell dahingeworfen. Seine Konzerte lassen beim Publikum keinen Raum für Gleichgültigkeit. Sie berühren, trösten und fordern.” In wenigen Sätzen skizzierte Kuhnt den Lebensweg Eschenbachs. Die traumatische Erfahrung der Kindheit, die in den ersten Jahren geprägt war vom Tod der Familie und der Flucht aus der Heimat, mündete in einer Sprachlosigkeit, aus der die Musik den kleinen Christoph befreite. „Die Eindrücke forderten Ausdruck“, habe Christoph Eschenbach später erklärt. Musik half dem traumatisierten Jungen zurück ins Leben und ist seitdem seine Berufung und Lebenselixier. Seine internationale Karriere führte ihn in die ganze Welt. Egal, wo Christoph Eschenbach wirkte und wirkt, immer habe er sich mit Leidenschaft um den musikalischen Nachwuchs gekümmert. Tzimon Barto, Renée Fleming, Julia Fischer und Lang Lang seien die prominentesten Namen unter den von ihm mit Engagement Geförderten. „Vieles an Unterstützung geschieht im Verborgenen und ist auf Nachhaltigkeit angelegt.“ Dazu gehöre auch seine Arbeit mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchester, dessen Principal Conductor er seit vielen Jahren ist. „Auf seine ruhige, konzentrierte Art führt er die Jugend zu Höchstleistungen – immer als Musiker unter Musikern.“ Sichtlich bewegt nahm der Preisträger die Standing Ovations des Publikums entgegen. Seine Liebe gelte seit dem Beginn seiner Karriere dem Komponisten Johannes Brahms und seinem Werk. „Ich fühle mich geehrt und gerührt. Insbesondere, weil die Auszeichnung in Schleswig-Holstein stattfindet, in meiner zweiten Heimat,“ bedankte sich Eschenbach. Dass er das richtige Gespür für junge Talente hat, bewies der 28jährigen Ausnahmepianist Christopher Park, den der Maestro zur Preisverleihung mitgebracht hatte. Mit viel Gefühl malte er die Passagen in Brahms’ Händel-Variationen in leichten, lichten Farben aus und verströmte genau jenen Elan, der zu diesem vor Einfällen überschäumenden Stück eines Endzwanzigers passt. Die enge musikalische Verbundenheit mit seinem Mentor zeigte sich danach bei Brahms’ “16 Walzern für Klavier zu vier Händen”, die Eschenbach und Park mit Leichtigkeit und Frische, ohne die sonst bei Brahms oft durchscheinende Melancholie, in tänzerischer Lebenslust und heiterer Spielfreude zusammen darboten. “Sie hätten auch im Walzertakt zusammen tanzen können” war Heimke Stegelmann aus Kiel vom Gleichklang der beiden Künstler begeistert. “Eine wunderbare Veranstaltung, sie sich von Minute zu Minute gesteigert hat.” Auch die junge Klavierschülerin Lina Beeck aus Meldorf war sichtlich beeindruckt von der Aura Eschenbachs. “Es geht eine faszinierene Ausstrahlung von ihm aus.” Und ihre Mutter Merle Fromberg-Beeck ergänzte: „Er besitzt ein Charisma, das einfach begeistert.“