Briefe der Freundschaft

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Briefe der Freundschaft
Der Briefwechsel zwischen Klaus Groth und Johannes Brahms
Im Mittelpunk dieses spannenden Online-Projekts der Klaus-Groth-Gesellschaft und der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein steht die norddeutsche Künstlerfreundschaft zwischen dem Komponisten Johannes Brahms und dem niederdeutschen Dichter Klaus Groth. Die Brahms-Gesellschaft und Klaus-Groth-Gesellschaft werden wöchentlich in einem internierenden Rhythmus den Briefwechsel von Klaus Groth und Johannes Brahms online auf den Webseiten veröffentlichen. Schauen Sie also auch regelmäßig auf die Seite der Klaus-Groth-Gesellschaft.
Der gesamte Briefwechsel zwischen den beiden Künstlern mit zahlreichen Anmerkungen und sehr lesenswerten Erinnerungen von Klaus Groth an seinen Freund Johannes Brahms ist 1997 im Boyens Buchverlag unter dem Titel „Johannes Brahms – Klaus Groth. Briefe der Freundschaft“ erschienen. Das Buch liegt für interessierte Besucher im Brahms-Haus zur Ansicht aus und kann dort auch erworben werden. Mit besonders dankenswerter Unterstützung vom Boyens Buchverlag.

4. Brahms an Groth

[Hamburg, 20. oder 21. Oktober 1868]

Verehrter Freund,

In Eile u. so gut es geht, während der Stimmer mein Ohr maltraitiert.–
Es ist recht schade, daß unsre Hamburger Kollegen uns im Wege stehen u. daß wir dies nicht in telegrafischer Eile erfuhren. Wir haben am 11. hier Konzert u. nur die Tage vorher – jetzt also den 9. – Zeit. Vielleicht ließe sich für den 7. oder 8. in Schleswig etwas arrangieren?
Daß ich auch einen Konzert-Arrangeur vorstellen will!
Ich trage Scheu, Stockhausen jetzt durch Berichte konfus zu machen.
Er hat den Kopf immer übervoll Pläne, u. es würde Absagen u. Ansetzen von Konzerten regnen. Vielleicht verlegen die Kollegen ihren Tag!
Unser Mißverständnis war lustig genug! Hr. Köster wird Ihnen es ausführlich beschrieben haben. Gern käme ich, könnte es auch für 1 oder 1 1/2 Tag, das lohnt aber kaum die 6stündige Fahrt. Sonst habe ich so viel eilige Revisionen u. Korrekturen zu besorgen, daß ich nicht länger ausbleiben kann.
Mir scheint aber, ich kann mir Zeit lassen, Sie in Kiel zu besuchen, da es mir hier immer heimlicher u. wohnlicher wird.
Für heute herzlichen Gruß. Apropos: die Bücklinge sind angekommen! Besten Dank.
Halten Sie nun den 9. fest u. schreiben Sie nicht anfragend an Frau oder Freund Stockhausen.
Vielleicht Schleswig?
Mein Vater empfiehlt sich, u. ich grüße Sie mit Frau u. Kind u. Kegel.

Ihr herzlich ergebener
JBrahms.

5. Brahms an Groth

[Hamburg, um den 25. Oktober 1868]

Verehrter Freund,

Hr. Werner will ganz gern sein Konzert 8 Tage später geben, wenn er den Tag – u. den Saal – haben kann. Er schreibt deshalb an Hrn. (Bellmann, glaube ich) seinen Ullmann, u. ich möchte Sie nur bitten, doch keine Konfusion entstehen zu lassen.
Im Fall wir in Schleswig spielen oder bei Ihnen u. überhaupt nur einmal – so sorgen Sie doch dafür, daß Hr. Bellmann nicht erst annonciert u. was sonst. Stockhausen schreibt sehr zufrieden von einem Konzert u. ruhigen Tagen. Nun, mir ist das sehr recht, ich wollte nur für den Geschäftsfreund sorgen.
Es versteht sich, daß ich am liebsten in der Schwanenburg beim Ritter Groth wohne – aber im Fall m[ein] Kollege etwa nicht bei Meyers, sondern im Gasthof wohnte, möchte ich ihm doch Gesellschaft leisten.
In jedem Fall fühle ich mich als Konzert-Besorger außerordentlich leicht, da Stockh. so durchaus keine Geschäftsunruhe zeigt. So können wir ja alles gehn lassen, wie es Gott gefällt. Die Hauptsache bleibt das Eisenbahnbillett nach Kiel, u. das wird jedenfalls gekauft.

Herzlichen Gruß.
Ihr
Johs. Brahms.